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„Mit den Geräten steh ich wieder mittendrin.“

Ein Interview mit Christine Meißner (75), Hörgeräte-Trägerin aus Hartha (Sachsen)

Martin Schaarschmidt: Frau Meißner, gestatten Sie mir, dass ich Sie den Lesern zu Beginn unseres Interviews kurz vorstelle: Sie heißen Christine Meißner, sind 75 Jahre alt, wohnen im sächsischen Hartha und sind Rentnerin. Zuvor waren Sie viele Jahrzehnte berufstätig. Sie waren als ausgebildete Großhandelskauffrau im Schuhhandel tätig, haben später ein Ingenieur-Studium absolviert und waren 20 Jahre lang Stadtrat. Ein sehr aktives Leben also, das immer noch anhält. Denn heute reisen Sie viel, sind oft unter Menschen, gehen häufig ins Theater oder ins Konzert. – Und Sie tragen seit mehreren Jahren Hörgeräte. Warum eigentlich?

Christine Meißner: Als Kind hatte ich sehr oft Mittelohrentzündung und immer mal ein paar Schwierigkeiten mit meinem Gehör. Doch vor einigen Jahren merkte ich, dass mit meinen Ohren grundsätzlich etwas war. Vor allem fiel mir auf, dass ich den Fernseher immer lauter stellen musste, um zu verstehen. – Da stimmt doch was nicht, habe ich mir gesagt. Und Margot, die Frau meines Neffen, meinte damals gleich: Tantchen, da müssen wir was machen. - Margot ist Leiterin der Musikschule hier. Wir fuhren gemeinsam zum Hörakustik-Fachgeschäft von Frau Vogler-Bergmann in Döbeln. Dort bin ich bis heute Kundin.

M. S.: Viele Menschen, die an sich selbst Schwierigkeiten beim Hören oder beim Verstehen wahrnehmen, warten erst einmal ab und unternehmen gar nichts. – Sie haben nicht gezögert?

C. M.:Nein, das hat bei mir nicht lange gedauert. Ich bin ein Mensch von schnellen Entscheidungen. Und wenn ich merke, dass etwas sein muss, dann erledige ich es lieber heute als morgen.

M. S.: Wie war es bei Ihrem ersten Besuch im Hörakustik-Fachgeschäft?

C. M.: Frau Vogler-Bergmann hat mit ihrem Computer-Programm alles ausgemessen und mir genau erklärt, wie es um mein Gehör steht. Dann ging es darum, welche Hörgeräte ich haben möchte. Sie hat mir eine ganze Reihe verschiedener Geräte vorgestellt, damit ich erst einmal in Ruhe vergleichen kann. Aber das eine, das hatte es mir sofort angetan. Ich erinnere mich sogar daran, dass ich mir genau merkte, wo sie das Gerät hinlegt, damit ich es ja wieder finde. Und als Frau Vogler-Bergmann mir alles gezeigt hatte, meinte ich nur: Du kannst alle anderen einpacken. Ich nehme genau diese hier.
Dann habe ich die Geräte eingesetzt und bin losgezogen. Zwei Tage später bin ich allein auf eine riesengroße Reise – mit dem Auto und mit meinen neuen Hörgeräten. Da war ich mit mir und der Welt zufrieden – so richtig glücklich.

M. S.: Weil Sie plötzlich wieder hören konnten?

C. M.: Ich konnte tatsächlich mit einem Mal wieder Geräusche hören, die ich schon völlig vergessen hatte. Ganz alltägliche Dinge wie das Rascheln der Zeitung beim Umblättern oder die Piep-Mätze draußen. So vieles ist seitdem wieder da. In Gesprächen mit der Familie bekomme ich alles mit. Sie könnten mich sogar in einen Raum schicken, in dem 200 Leute durcheinander reden, und es würde mich nicht überfordern. Ich könnte mich dann immer noch mit meinem Gesprächspartner unterhalten, mich ganz auf ihn konzentrieren. Alles Störende blenden die Hörgeräte dann automatisch aus.
Und ich fühle mich sicherer mit den Geräten, wenn ich im Straßenverkehr unterwegs bin. Früher konnte ich manche Geräusche überhaupt nicht zuordnen, ein plötzliches Fahrradklingeln oder Hupen zum Beispiel. Ich wusste dann nicht, wo das herkam. Auch wenn ich selbst Auto fahre, ist es jetzt viel besser.

M. S.: Und wie geht es Ihnen beim Fernsehen?

C. M.: Auch sehr gut. Wobei mir auffällt, dass Nachrichtensprecher und richtige Schauspieler besonders gut zu verstehen sind. Aber das Allerschönste ist, wie ich mit den Hörgeräten wieder Musik hören kann. Wenn ich in ein Konzert gehe, dann höre ich jedes einzelne Instrument. Ich bin total drin in der Musik. - Also, ich bin so dankbar, dass ich die Dinger habe. Du hast dadurch einfach wieder die Verbindung zur Außenwelt.

M. S.: Fiel es Ihnen leicht, sich an ein Leben mit Hörgeräten zu gewöhnen?

C. M.: Am Anfang war ich schon ein paar Mal im Geschäft, um die Einstellung für diese oder jene Situation verbessern zu lassen. Frau Vogler-Bergmann hat sich sehr viel Mühe gegeben, um alles genau anzupassen. Sie hat eine Engelsgeduld. Manchmal haben wir zwei Stunden gesessen. Aber das hat sich auch gelohnt.
In der ersten Zeit habe ich die Geräte nur zu bestimmten Gelegenheiten getragen, wenn ich zum Beispiel unterwegs war. Aber seit drei Jahren mache ich sie morgens gleich nach dem Waschen ins Ohr und lasse sie den ganzen Tag drin. Manchmal fallen sie mir erst wieder ein, wenn mich etwas am Ohr kitzelt und ich dort krabbeln will. Dann bemerke ich die Geräte und bin erstaunt, wie selbstverständlich sie mir mittlerweile sind. Tags über nehme ich sie nur dann mal heraus, wenn ich zu Hause abgespannt bin, und wenn ich weiß, dass keiner mehr kommt.

M. S.: Sie sprachen von der Einstellung der Geräte durch den Hör-Experten. Wie wichtig ist es denn Ihrer Meinung nach, dass die Hörgeräte gut eingestellt werden?

C. M.: Von dieser Einstellung hängt es ab, ob man sich mit seinen Hörgeräten wohl fühlt oder nicht. Wenn die Geräte ordentlich eingestellt sind, ist das wunderbar. Deshalb sollte man auch unbedingt immer dann zum Hörakustiker gehen, wenn bei der Einstellung für diese oder jene Situation etwas verbessert werden muss.
Das Ohr ist ein kompliziertes Organ. Kein Ohr gleicht dem anderen, und jeder Hörgeräteträger braucht genau seine Geräte-Einstellung. Deshalb ist es wichtig, dass sich der Hörakustiker Zeit dafür nimmt. Alles wird am Computer eingestellt, wird überprüft, von hinten, von der Seite, und, und, und. Das braucht Geduld. Aber es ist auch das A und O, damit man die Dinger schon bald überhaupt nicht mehr merkt.

M. S.: Sie fühlen sich demnach gut aufgehoben bei Ihrer Hörakustikerin?

C. M.: Wir hatten von Anfang an ein ausgezeichnetes Verhältnis. Alle halbe Jahre komme ich vorbei. Dann wird mal was nachgestellt oder überprüft; und die Ohrstücke werden gereinigt, was ja vor allem im Sommer wichtig ist. Und wenn darüber hinaus mal was ist, rufe ich einfach an. Dann kommt sofort jemand. Auch als meine Batterien mal alle waren, kam sofort jemand vorbei und hat mir neue gebracht.
Das sind alles sehr nette Leute, Frau Vogler-Bergmann ganz besonders. Aber auch die jungen Mitarbeiter stehen ihrer Chefin nicht viel nach und verstehen ihr Handwerk. Ich komme immer gerne hierher – ohne jede Angst. Ich bin sehr zufrieden. Und wir freuen uns auch, wenn wir uns zufällig auf der Straße über den Weg laufen.

M. S.: Gestatten Sie mir noch eine Frage zu Ihren Hörgeräten. Wie teuer waren die eigentlich?

C. M.: Das war schon eine Menge Geld. Aber es waren die Geräte, die ich unbedingt haben wollte. Und ich habe diese Entscheidung nicht bereut. Ich würde jedem empfehlen, sich für anständige Geräte zu entscheiden, lieber tiefer in die Tasche zu greifen, damit man den Erfolg wirklich sieht bzw. hört.
Ich kann Leute nicht verstehen, die ausgerechnet bei ihren Hörgeräten sparen, die möglichst das Billigste nehmen und anschließend schimpfen. Natürlich hätte ich mir für das, was ich für meine Geräte bezahlt habe, auch andere Sachen leisten können. Aber ich hoffe doch, noch lange leben und noch viel erleben zu können. Und ich habe durch meine Hörgeräte einfach mehr vom Leben. Mit den Geräten stehe ich eben wieder mittendrin.

M. S.: Beschäftigt es Sie eigentlich, was andere Leute denken, wenn sie erfahren, dass Sie Hörgeräte tragen?

C. M.: Da bin ich schon lange drüber weg. Und ob nun jemand diesen winzigen Schallschlauch an meinem Ohr sieht oder nicht… - Ich denke mir, da gibt es andere Sachen, die man verstecken sollte. Das stört mich überhaupt nicht.
Es geht doch um mich. Denn ich will hören können. Ich will diesen Vorteil haben. Was interessiert mich die Meinung der anderen?! Ich gebe mir Mühe, all meine Entscheidungen so zu treffen, wie ich sie vor mir verantworten kann. Seit mein Mann vor zwanzig Jahren verstarb, habe ich alle wichtigen Entscheidungen allein getroffen. Ob ich mir eine neue Wohnung gesucht hab, mir ein neues Auto zugelegt hab – alles meine Entscheidungen. Wenn ich eine Chance für mich sehe, dann nutze ich sie. Und wenn das irgendjemandem nicht in den Kram passt, dann hat er eben Pech.

M. S.: Frau Meißner, haben Sie vielen Dank für das interessante Gespräch.


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